Jüdinnen und Juden sind ein Volk, nicht nur eine Glaubensgemeinschaft. Wie andere Völker haben sie das Recht, sich in ihrer historischen Heimat selbst zu regieren. OZJF sieht Israel als die moderne Ausprägung dieses Rechts. Dieses Argument beruht auf Geschichte, Bindungen an das Land, moderner Staatsbildung und den Kosten der Staatenlosigkeit. Niemand muss jede israelische Regierung gutheißen, um dieses Argument anzuerkennen. Die nationalen Rechte der Palästinenser bleiben wichtig.
Was Selbstbestimmung bedeutet
Artikel 1 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte besagt, dass alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben. Diese Regel entscheidet weder jeden Streit über Grenzen oder Staatsmacht noch stellt sie einen nationalen Anspruch über einen anderen. Sie setzt einen grundlegenden Maßstab. Selbstbestimmung kann nicht manchen Völkern zustehen, Jüdinnen und Juden aber nicht.
Jüdisches Leben umfasst einen gemeinsamen Glauben, ist aber mehr als Glaube. Jüdinnen und Juden teilen auch Geschichte, Kultur, Texte, Sprachen und Bindungen an das Land Israel. Das Argument für jüdische Selbstbestimmung kann auf Geschichte und Politik beruhen. Ein Anspruch von Gott ist nicht erforderlich.
Warum Staatenlosigkeit für das Argument wichtig ist
Jüdische Gemeinschaften schufen in vielen Ländern ein reiches und dauerhaftes Leben. Sie waren zugleich Vertreibung, harten Gesetzen, Angriffen durch aufgebrachte Menschenmengen und erzwungenen Umsiedlungen ausgesetzt. Der Holocaust war der schlimmste Fall. Das United States Holocaust Memorial Museum dokumentiert, dass das nationalsozialistische Deutschland, seine Verbündeten und seine Kollaborateure sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordeten.
Diese Geschichte stellt Israel nicht über Kritik und entscheidet auch nicht über andere Ansprüche auf das Land. Sie zeigt jedoch, warum viele Jüdinnen und Juden einen Staat als tatsächlichen Schutz und nicht nur als Symbol betrachten. Ein jüdischer Staat kann Zuflucht und Verteidigung bieten. Eine kleine und gefährdete Gruppe in einem anderen Land kann dies möglicherweise nicht.
Der Bericht des Pew Research Center von 2025 beziffert den jüdischen Anteil an der Weltbevölkerung auf etwa 0,2 Prozent. Die Größe entscheidet nicht über die Rechte eines Volkes. Dieser geringe Anteil erklärt mit, warum Zuflucht und gemeinsame Sicherheit weiterhin dringende Anliegen sind.
1947 und 1948 bilden den rechtlichen Rahmen
Die Vereinten Nationen schufen nicht die jüdische Bindung an das Land. Sie ergänzten jedoch die moderne Dokumentation zur Staatlichkeit. Im November 1947 verabschiedete die Generalversammlung die Resolution 181 (II). Sie sah einen arabischen und einen jüdischen Staat im britischen Mandatsgebiet Palästina vor. Jerusalem sollte einen besonderen Status erhalten. Der Plan wurde nicht wie vorgesehen umgesetzt, und es folgte Krieg. Dennoch bleibt die Abstimmung ein zentraler Teil der internationalen Dokumentation zur Teilung.
Israel erklärte am 14. Mai 1948 seine Unabhängigkeit. Das Israelische Staatsarchiv bezeichnet diese Erklärung als Gründungstext des Staates. Sie verspricht „vollständige Gleichheit der sozialen und politischen Rechte“ ohne Rücksicht auf Glauben, Rasse oder Geschlecht. Das Amt des Staatskontrolleurs behandelt dieses Versprechen als Grundlage dafür, den Staat zur Rechenschaft zu ziehen.
Dieses Versprechen gehört zum Argument für Israel. Es ist kein Zusatz. Jüdische Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass nur Jüdinnen und Juden Rechte haben. Ein jüdischer Staat schuldet weiterhin allen Bürgerinnen und Bürgern gleiche bürgerliche und politische Rechte.
Was der Anspruch nicht entscheidet
Früheres Unrecht an Jüdinnen und Juden schützt Israel nicht vor Recht oder moralischer Prüfung. Jüdische Geschichte löscht auch palästinensischen Verlust, Flucht oder nationale Hoffnungen nicht aus. Der hier vertretene Anspruch ist enger. Jüdinnen und Juden darf nicht dasselbe Recht auf Selbstbestimmung verweigert werden, das andere Völker beanspruchen.
Schwierige Streitfragen bleiben. Dazu gehören Grenzen, Siedlungen, Sicherheit, Flüchtlinge und ein palästinensischer Staat. Wir sollten diese Fragen in der Sache behandeln. Wir sollten nicht damit beginnen, allein jüdisches nationales Leben für nicht existenzberechtigt zu erklären.
Was OZJF verteidigt
OZJF verteidigt jüdische Selbstbestimmung in der historischen jüdischen Heimat. Wir können diese Auffassung vertreten und dennoch israelische Politik kritisieren. Wir können gleiche Rechte verteidigen und palästinensische nationale Rechte bekräftigen.
Die schwierige Frage ist, wie beide Völker ihre Rechte ausüben können. Jede tragfähige Antwort muss Sicherheit, eine Führung, die der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldet, und gegenseitigen Respekt einschließen.