Irakische Interessen erreichen Washington über zwei getrennte Kanäle. Die Bundesregierung in Bagdad reicht eine Reihe von Offenlegungen ein, die Regionalregierung Kurdistans eine andere. Ihre Firmen und Prioritäten stimmen nicht immer überein. Eine klare Darstellung muss diese Kanäle getrennt behandeln und die Strafverfolgung von Sam Patten in ihren richtigen rechtlichen Zusammenhang einordnen.
Zwei Auftraggeber mit unterschiedlichen Prioritäten
Seit 2003 steht die US-Politik gegenüber Irak ganz oben auf der politischen Agenda. Truppenstärken, Ölverträge, Waffenverkäufe und Sanktionen gegen irakische Banken werden sämtlich im Kongress oder in der Exekutive behandelt. Will ein ausländischer Auftraggeber diese Entscheidungen beeinflussen, verlangt das US-Recht eine öffentliche Meldung nach dem Foreign Agents Registration Act (FARA). Die FARA Unit des DOJ verwaltet das System, FARA eFile ist das öffentliche Portal.
Die KRG unterhält eine eigene Vertretung in Washington. Ihre Meldungen sind von denen Bagdads getrennt, sie beauftragt häufig andere Firmen, und ihre Ziele können von denen der Bundesregierung abweichen. „Irak“ als einen einzigen Auftraggeber zu behandeln verschleiert, wer für eine bestimmte Botschaft zahlte und welches Ergebnis angestrebt wurde.
Was Bagdad und Erbil offenlegen
FARA ist ein Offenlegungsgesetz, kein Verbot. Firmen, die für ausländische Regierungen Lobbyarbeit leisten, müssen sich registrieren, ihre Verträge aufführen und zweimal jährlich Berichte einreichen. Diese Berichte sind unter efile.fara.gov öffentlich zugänglich.
Im Laufe der Jahre beauftragte Bagdad mehrere bekannte US-Firmen. Öffentliche Berichte und FARA-Unterlagen dokumentieren Tätigkeiten von Brownstein Hyatt Farber Schreck, Mercury Public Affairs und in früheren Jahren der Podesta Group. Der Umfang der einzelnen Verträge ist unterschiedlich. Einige Firmen übernehmen die allgemeinen Beziehungen zu Regierungsstellen. Andere konzentrieren sich auf ein einzelnes Thema, etwa Waffenverkäufe oder Schulden.
Der KRG-Kanal sieht anders aus. Greenberg Traurig, BGR Group, Dentons und Squire Patton Boggs erschienen sämtlich in FARA-Meldungen mit Bezug zur Regionalregierung Kurdistans oder zu ihr nahestehenden Einrichtungen. OpenSecrets Foreign Lobby Watch ist das beste öffentlich zugängliche Suchinstrument für diese Unterlagen. Die Lobbyarbeit der KRG konzentriert sich häufig auf direkte US-Militärhilfe, Waffenlieferungen an die Peschmerga und die Anerkennung als eigenständiger Partner auf dem Capitol Hill.
Die Informationen sind öffentlich, aber über viele Meldungen verteilt. Das FARA-eFile-Portal stellt die Originaldokumente bereit, während OpenSecrets ihre Suche erleichtert.
Das Durchsetzungsverfahren gegen Sam Patten
Im August 2018 bekannte sich der Lobbyist Sam Patten eines FARA-Verstoßes schuldig. Die Pressemitteilung des DOJ führte die Anklagepunkte aus. Sein Fall ging aus den Ermittlungen des Sonderermittlers hervor und betraf Tätigkeiten mit Bezug zur Ukraine sowie, getrennt davon, zur KRG. Patten räumte ein, als nicht registrierter ausländischer Agent gehandelt zu haben.
Das Schuldbekenntnis war Teil der verstärkten FARA-Durchsetzung von 2018 bis 2019 und zeigte, dass das Justizministerium bereit war, Verstöße gegen die Registrierungspflicht unmittelbar anzuklagen. Das Verfahren warf Patten, nicht der KRG, Fehlverhalten vor. Seine Bedeutung liegt hier in der Lehre für die Einhaltung der Vorschriften durch amerikanische Firmen, die kurdische Interessen vertreten.
Eine stetige Präsenz mittlerer Größe
Irak ist ein FARA-Auftraggeber mittlerer Größe. Bei den jährlichen Ausgaben spielt das Land nicht in derselben Liga wie Saudi-Arabien, Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist jedoch stetig präsent.
Den FARA-Unterlagen zufolge lagen die Verträge der irakischen Regierung und der KRG zusammen üblicherweise im niedrigen einstelligen Millionenbereich pro Jahr, verteilt auf mehrere Firmen. Die exakten Jahressummen verändern sich mit jeder Vertragsverlängerung. Für die Prüfung eines aktuellen Jahres empfiehlt sich eine Suche auf efile.fara.gov nach „Iraq“ und „Kurdistan“ als Namen der Auftraggeber.
Bei den Hilfen haben die USA seit 2003 Milliarden Dollar für den Irak bereitgestellt, auch wenn die jährlichen Beträge seit den Höchstständen der Besatzungsjahre stark gesunken sind. Aktuelle Zahlen finden sich im Bericht RS21968 des Congressional Research Service und im Faktenblatt des US-Außenministeriums zu den Beziehungen der USA zu Irak.
Vor der Länderbezeichnung den Namen des Auftraggebers lesen
Iraks offengelegte Präsenz ist stetig, aber im Vergleich zu den größten Auftraggebern am Golf bescheiden. Die wichtigste Unterscheidung besteht zwischen Bagdad und Erbil. Ihre Verträge zusammenzufassen kann Herkunft, Zweck und Zielgruppe der Arbeit verschleiern.
Das Schuldbekenntnis Pattens bleibt das deutlichste Durchsetzungsereignis im Zusammenhang mit dieser Länderbilanz. Es war jedoch ein Verfahren gegen einen nicht registrierten amerikanischen Agenten, keine Feststellung gegen die KRG. Aktuelle Schlussfolgerungen sollten sich weiterhin auf die halbjährlichen Primärmeldungen stützen.
Auf dieser Seite verwendete Quellen
- US-Justizministerium: Überblick der FARA Unit
- Öffentliches FARA-eFile-Portal
- OpenSecrets: Foreign Lobby Watch
- OpenSecrets: FARA-Ländersuche
- Pressemitteilung des DOJ: W. Samuel Patten bekennt sich eines FARA-Verstoßes schuldig (31. August 2018)
- Congressional Research Service: RS21968, Irak
- US-Außenministerium: Beziehungen der USA zu Irak
- Vertretung der Regionalregierung Kurdistans in den Vereinigten Staaten
- Congressional Research Service: R45535, Einführung in FARA